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Kolumne


 

Mäzenatentum

Maecenas war ein reicher römischer Politiker, der zu Zeiten Kaiser Augustus’ Dichter wie Vergil und Horaz förderte. Seither ist der Begriff Mäzenatentum im Gebrauch – also die Förderung kultureller und sozialer Aufgaben ohne direkte Gegenleistung zu erwarten, was auch heißt, dass der Spender seine Zuwendungen jederzeit widerrufen kann.

Mäzene gab es zu allen Zeiten. Im ausgehenden Mittelalter tat sich die Familie Medici in Florenz hervor, der wir zum Beispiel die berühmte Gemäldesammlung, die Uffizien (ihr Büro, ihr office) verdanken. Ihr ging es aber vor allem darum, die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten durch gezielte Förderung geeigneter Vorhaben zu beeinflussen. Es ging ihr um politische Macht. Fraglich, ob man dieses Handeln als uneigennützig bezeichnen kann.

In Deutschland der beginnenden Neuzeit wirkte die Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger als Mäzen, die ihren Reichtum zunächst im Textilgeschäft, dann im Bergbau und im Bankwesen gewann. Bekanntestes Beispiel für ihr soziales Engagement ist die Fuggerei in Augsburg, die älteste Sozialsiedlung der Welt. Jakob Fugger der Reiche hat sie 1521 begründet. Sie ist auch heute noch intakt und bietet 150 katholischen (!) Augsburger Bürgern mit gutem Leumund (!) Heimstatt für eine Jahresmiete von weniger als einem (!) Euro (- wofür allerdings als Gegenleistung erwartet wird, dass die Bewohner einmal täglich für die Spenderfamilie betet.)

In der besonders dynamischen Phase der Industriellen Revolution in den Vereinigten Staaten, die nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) begann, traten Unternehmer auf, die man auch „Räuberbarone“ nennen kann. Denn räuberisches Handeln war ihre Methode. Sie gebärdeten sich wie mittelalterliche Condottieri, wie Raider wie man heute sagt. Interessanterweise entstammen die meisten dieser Erfolgreichen den Jahrgängen 1835 bis 1845, was heißt, dass sie als junge Männer entscheidend vom amerikanischen Bürgerkrieg geprägt waren. Das aber bedeutete nicht, dass sie sich nicht von einem starken religiösen Pflichtgefühl, meist dem Kalvinismus, leiten ließen, sie beteten jeden Tag.

Alle amerikanischen Unternehmer der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die zu Reichtum gekommen waren, haben sich als Stifter, als Mäzene großen Stils hervorgetan. Der in diesem Sinne vielleicht bedeutendste war Andrew Carnegie, ein schottischer Immigrant, der seine Laufbahn als Botenjunge, Heizer und Telegrafist begann, um schließlich als „Stahlkönig“ der reichste Mann der  USA zu werden. In ihm verwirklichte sich der American Dream ( Du kannst es schaffen, wenn du dich nur redlich bemühst.) Er ist seine Inkarnation. Von ihm heißt es, dass er nahezu neunzig Prozent seines Vermögens in diverse soziale Projekte investierte. J. P. Morgan, der 1890 Carnegies Konzern übernahm, tat ähnliches, und Rockefeller, der höchst bescheiden lebte, legte sein Vermögen ebenfalls in großen Beträgen mäzenatisch an: in der Gründung einer Universität (Chicago) und in der Rockefeller Foundation, einer „Stiftung zum Wohlergehen der Menschheit“.

Vor gut zwei Monaten starteten die beiden bekannten Milliardäre, Bill Gates und Warren Buffett die Kampagne The Giving Pledge (Das Versprechen, etwas hinzugeben), um andere Superreiche zu bewegen, einen Großteil ihres Vermögens philanthrophisch einzusetzen. Inzwischen haben vierzig Superreiche der USA angekündigt, es ebenso zu machen wie die Initiatoren. Von Warren Buffett hörte man in der Tagesschau vom 4. August , dass er gar neunundneunzig Prozent seines Vermögens wohltätigen Zwecken hinterlassen wolle.

Bill Gates, der ein Halb seines Vermögens in eine Stiftung zur Bekämpfung von Aids eingebracht hat, sucht auch in Deutschland Mitstreiter für seine Initiative. Doch die Adressaten reagieren ablehnend. Bill Gates und seine Frau würden herumtingeln. „Den Leuten ist das zu marktschreierisch“, sagt der Vermögensverwalter eines kontaktierten Superreichen. Und der Hamburger Reeder-Millionär, Peter Kramer, gibt zu erkennen, dass er diese Form der Wohltätigkeit für „höchst problematisch“ halte. Das amerikanische Sozialsystem sei weit weniger ausgebaut als das deutsche, und in den USA könne man Spenden weit überwiegend von der Steuer absetzen. „Milliardärsgusto“ entscheide, wo die Mittel eingesetzt würden. „Wer legitimiert diese Menschen zu entscheiden, wohin das Geld fließen soll?“ [Der Spiegel 32/2010, S. 58]

Das nach außen getragene Motiv der Mäzene ist stets das gleiche, nämlich der Gesellschaft einen Teil dessen zurück geben zu wollen, was man von ihr erhielt. Zweifellos spielt aber auch Geltungsbedürfnis eine Rolle, Geltungsbedürfnis über den Tod hinaus.

Und auch das, was man im Mittelalter als pudendum bezeichnete, also das, wofür man sich eigentlich schämt (pudere, lat. schämen). Denn die meisten der hier angesprochenen Gönner, Stifter und Mäzene waren in ihrem Geschäftsgebaren nicht zimperlich, sondern rüde, dem Gemeinwohl keineswegs verpflichtet. Und so schämen sie sich dann ob der Früchte ihres Erfolges, der nicht selten glücklichen Zufällen entsprang.       



Dr. Axel Glöggler


Dr. Axel Glöggler
Oberleichtersbach, 9. Juli  2010

www.dr-axel-gloeggler.de



© Copyright Dr. Axel Glöggler


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